Seebestattung der Bandidos auf Rügen

Zur Seebestattung eines ihrer Anführer haben sich am Samstag 360 Mitglieder und Sympathisanten des Rocker-Clubs Bandidos auf Rügen eingefunden. Die Veranstaltung lief nach Polizeiangaben friedlich ab. Die Ankunft des Trauerkonvois in Altefähr wurde von zahlreichen Schaulustigen verfolgt. Im Verlauf der Zeremonie kam es zu einem schweren Unfall.

Der Vizepräsident des Rügener Bandido-Chapters, Christian Heydt, war am 30. Juni in Schleswig-Holstein bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Die Limousine, in der er als Mitfahrer saß, war nachts in Hardebek gegen einen Baum geprallt. Zwei weitere Insassen kamen bei dem Unfall ebenfalls ums Leben, der Fahrer wurde schwer verletzt und verlor beide Beine. Die Polizei geht davon aus, dass der Unfall auf eine überhöhte Fahrgeschwindigkeit und Alkoholeinfluss zurückzuführen ist. Fremdeinwirkung wird nach aktuellem Erkenntnisstand ausgeschlossen.

Zur Bestattungszeremonie, die von etwa 30 Polizisten begleitet wurde, waren ursprünglich bis zu 700 Trauergäste erwartet worden. Letztlich fand sich jedoch nur die Hälfte davon ein. Wegen der Wallensteintage, einem der größten historischen Volksfeste in Norddeutschland, war es den Bandidos durch das Ordnungsamt untersagt worden, von Stralsund aus in See zu stechen, sodass ein Konvoi von etwa 80 Motorrädern über die Rügenbrücke nach Altefähr fahren musste. Die Rocker wurden dabei von der Polizei eskortiert. Auf der Brücke kam es zu einer Kollision zweier Motorräder, bei der nach Angaben von Polizeisprecher Mario Ullrich ein 26-jähriger Däne stürzte und schwer verletzt wurde.

Die Rügenbrücke verbindet die Insel Rügen mit Stralsund
Die Rügenbrücke verbindet die Insel Rügen mit Stralsund.
Foto: Stefan Munder, flickr

Zur Ankunft des Trauerzugs in Altefähr fanden sich hunderte Schaulustige und Medienvertreter ein. Der Hafen wurde von Polizeibeamten abgesichert. Die Trauergäste, von denen die meisten die für die Bandidos typischen Lederkutten trugen, stammten aus ganz Norddeutschland und Berlin sowie Dänemark und Finnland. Die Seebestattung erfolgte vom Fahrgastschiff Schaprode aus der Prohner Wiek, ein weiteres Schiff der Weißen Flotte beförderte die Trauergäste. Neben den Bandidos nahmen auch die Angehörigen des Verstorbenen sowie Mitglieder befreundeter Motorradclubs an der Zeremonie teil. Für die Zuschauer gab es außer der Ankunft des Motorradtrosses nicht viel zu bestaunen.

Die Zeremonie verlief friedlich und ohne weitere Zwischenfälle. Die Bandidos werden seit geraumer Zeit vom Verfassungsschutz beobachtet, da es in der Vergangenheit in ihrem Umfeld immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen gekommen war. Erst wenige Wochen vor der Rügener Seebestattung hatten Großrazzien in Clubhäusern in Berlin und im Ruhrgebiet stattgefunden, die im Zusammenhang mit der Verwicklung der Bandidos in die organisierte Kriminalität standen.