Die Geschichte der Hanse

Unter der Bezeichnung Hanse versteht man das im 12. Jahrhundert entstandene lockere Bündnis niederdeutscher Kaufleute, die sich aus wirtschaftlichen Interessen und zum Schutz ihres Warenhandels zusammenschlossen. Die Farben der Hanse waren rot-weiß, ihr Symbol eine Kogge als Zeichen der wachsenden Entwicklung des Fernhandels. Die deutsche Hanse bestand bis etwa zur Mitte des 17. Jahrhunderts.

Ein Modell der Bremer Kogge von 1380
Ein Modell der Bremer Kogge von 1380. Schiffe wie dieses waren das Symbol der Hanse.
Foto: Heinz-Josef Lücking

Entstehung der Hanse

Trotz der unsicheren Zeiten hatte sich der Handel in Deutschland im 12. Jahrhundert weiter etabliert und stand in seiner Blütezeit. Einer der wichtigsten Handelsstraßen von Süd nach Nord führte von Süddeutschland über Braunschweig bis nach Hamburg und Bremen. Durch die Kreuzzüge waren neue Waren ins Land gekommen, die sich einer großen Beliebtheit erfreuten und mit denen sich beachtliche Gewinne erzielen ließen. Gehandelt wurde zur damaligen Zeit mit Gewürzen, Baumwolle, Zucker sowie indischen Produkten, die man aus Italien bezog. Handelstransporte weckten jedoch immer wieder die Begehrlichkeiten der Ritterburgen und auf den Flüssen und Seen trieben Seeräuber ihr Unwesen. Daher mussten die Kaufleute ihre Transporte mit einer zusätzlichen bewaffneten Eskorte schützen. Für einen einzelnen Kaufmann war es weitaus sicherer, sich mit anderen zusammenzuschließen, um seine Waren zu schützen und seine eigenen Interessen durchzusetzen. Diese Gemeinschaften werden heute als Anfänge der Hanse gewertet.

Kampf der Hanse gegen die Piraterie

Unter der Piraterie hatten besonders die Städte Hamburg und Lübeck zu leiden, so dass diese beiden Städte ein Bündnis eingingen und eine gemeinsame Flotte aufstellten. Sie gingen gegen die Seeräuber vor und schlugen die Dänen. So sorgten sie dafür, dass ihre Handelsbeziehungen von außen nicht gestört wurden. Das Beispiel machte Schule, immer mehr Städte schlossen sich der Hanse an, die zunehmend an Einfluss gewann. Lübeck entwickelte sich zum Zentrum des Städtebündnisses.

Dieser Kupferstich von Matthäus Merian zeigt Lübeck im 17. Jahrhundert.
Dieser Kupferstich von Matthäus Merian zeigt Lübeck im 17. Jahrhundert.

Blütezeit der Hanse

Bis ins 13. Jahrhundert wurden die Waren aus Norden und Osten gegen die aus Süden und Westen fast ausschließlich über Zwischenhändler getauscht. Das schmälerte natürlich den Gewinn der Kaufleute und so waren sie bestrebt, die Gotländer, die als Zwischenhändler reichlich verdienten, auszuschalten. Mit der Zurückdrängung Dänemarks aus der Vormachtstellung im Ostseeraum begann die Blütezeit der Hanse, die inzwischen zu einer wirkungsvollen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Macht herangewachsen war. Ihre Handelsbeziehungen reichten nun im Süden über Italien bis nach Portugal und im Norden bis nach Russland und die skandinavischen Länder. Gehandelt wurde mit Getreide, Fisch, Pelzen, Holz und Holzprodukten, Gewürzen und Waffen.

Einfluss und Expansion der Hanse

Die Hansestädte erhielten auf Grund ihres Einflusses von anderen Staaten zahlreiche Vergünstigungen und Privilegien. Sie waren von Steuern und Zöllen befreit und man schuf ihnen die Möglichkeit, Handelskontore auch außerhalb des eigenen Landes zu errichten. Zu den wichtigsten dieser Niederlassungen zählten Nowgorod, Bergen, Brügge und London.

Zur Blütezeit der Hanse gehörten ihr über 100 Städte an und ihre gemeinsame Flotte zählte mehr als 200 Schiffe.

Juristischer Status und Bedeutung der Hanse

Die Hanse war ein lockeres Bündnis, das mit dem Ziel geschlossen wurde, die Interessen der Fernhandelskaufleute durchzusetzen. Es war eine überregionale Vereinigung, bei denen die Städte jedoch im Herrschaftsbereich der jeweilige Landesherren verblieben und ihnen weiterhin unterstanden.

Es existierte weder eine Gründungsurkunde, noch ein Statut oder eine Satzung, es wurde kein schriftlicher Vertrag geschlossen und es gab keinen Etat. Mit den Hansetage hatte sich die Hanse zwar ein Gremium geschaffen, auf dem weitreichende Beschlüsse gefasst wurden, de jure jedoch existierte die Hanse gar nicht.

Traditionelle Kostüme beim 32. internationalen Hansetag 2012 in der Hansestadt Lüneburg
Traditionelle Kostüme beim 32. internationalen Hansetag 2012 in der Hansestadt Lüneburg
Foto: hansetag2012.de

De facto allerdings war die Hanse etwa dreihundert Jahre lang sowohl eine wirtschaftlicher als auch eine politische und sogar militärische Macht. Sie war in der Lage, ganze Städte und Regionen durch ein Handelsembargo in die Knie zu zwingen, die stürzte Könige vom Thron und sie führte, wenn es sein musste, auch selbst Kriege. Ihre Macht reichte aus, Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen und Entwicklungen in eine ihr genehme Richtung zu lenken.

Die Stärke der Hanse ergab sich aus ihren Handelsbeziehungen sowie der Einigkeit und dem Zusammenhalt der Hansestädte.

Niedergang der Hanse

Mitte des 17. Jahrhunderts war die Zeit der Hanse vorbei. Schon Ende des 15. Jahrhunderts begannen einige der europäischen Staaten damit, sich ihren Einfluss im Ostseeraum zurück zu erobern und sie gingen massiv gegen das Handelsmonopol der Hanse vor. Nach und nach wurden wieder Zölle erhoben und Handelskontore außerhalb der Hansestädte mussten schließen. Dazu kam, dass auch die deutschen Fürsten immer mehr gegen die Macht und den Einfluss der Hanse ankämpften. Sie verboten ihren Städte, sich der Hanse anzuschließen bzw. zwangen sie zum Austritt aus der Gemeinschaft. So verließen immer mehr Städte das Zweckbündnis. Nur die Städte Hamburg, Lübeck und Bremen blieben zuletzt dem Bund noch treu. Der Ostseeraum geriet zunehmend unter den Einfluss der Holländer und der Engländer, damit wurde dem Fernhandel der Hanse eines ihrer wichtigsten Einflussgebiete entzogen. Die Wirtschaftsmacht der Hanse schwand und mit ihr auch ihre politischer Bedeutung. Sie war den neuen Anforderungen einer Wirtschaft, die sich zunehmen an den erstarkenden nationalen und territorialen Interessen orientierte nicht mehr gewachsen.