Moderne Piraterie

Seit 1992 betreibt das International Maritime Bureau, eine auf Seekriminalität spezialisierte Abteilung der Internationalen Handelskammer, ein Piracy Reporting Centre, welches für die Erfassung von Pirateriemeldungen zuständig ist.

Heute sind Piraten hauptsächlich an den Küsten Indonesiens und Malaysias, sowie in der Straße von Malakka und diversen afrikanischen Häfen aktiv.
Weltkarte der von Piraterie betroffenen Regionen.
Quelle: Wikipedia

Was wollen die Piraten?

Anders als früher geht es den Piraten heute nicht mehr darum die Ladung eines Schiffs zu stehlen. Neben dem Erpressen eines Lösegeldes für die Crew sind der Tresor und kleine, wertvolle Gegenstände (zum Beispiel Navigationsinstrumente) von Interesse für die Seeräuber.

Überfälle, bei denen nur der Tresor und Wertgegenstände entwendet werden sollen, finden normalerweise morgens zwischen 1 und 6 Uhr Ortszeit statt und die Beute eines Überfalls übersteigt selten 20.000 Dollar.

Eher unüblich ist es die Besatzung an einem Hafen abzusetzen und das ganze Schiff zu kapern. Der letzte große Fall dieser Art ereignete sich 1998 als der Supertanker Petro Ranger, beladen mit Dieselöl und Kerosin im Wert von 1,5 Millionen Dollar, entführt und zwei Wochen lang unter dem Namen MV Wilby unbehelligt unterwegs war.

Wie professionell sind die Banden?

Piratenbanden sind meist gut organisiert und zielen vorrangig auf die Berufsschifffahrt ab. Nach dem Entern eines Schiffs mit kleinen Booten wird über einen Unterhändler ein Lösegeld für die Besatzung von der Reederei erpresst. In Somalia leben aufgrund der mangelnden staatlichen Autorität ganze Stämme von professioneller Piraterie.

Wie wird gekapert?

Auf hoher See kommt es selten zu Kaperungen da die hohen Bordwände und die große Geschwindigkeit, die für starken Wellengang sorgt, es fast unmöglich machen ein großes Schiff bei voller Fahrt zu entern. Wesentlich einfachere Ziele stellen Schiffe da, die wegen eines Defekts langsamer unterwegs sind und Reparaturarbeiten vornehmen müssen.

Korruption

In ärmeren Regionen kommt es regelmäßig vor, dass staatliche Mitarbeiter oder Crewmitglieder zu Informanten und somit Mittätern der Piratengruppen werden. Überfälle finden dann zufällig an dem Tag statt, an dem frisches Geld für die Lohnauszahlung an Bord genommen wurde.

In China war es in den 90er Jahren sogar üblich, dass Schiffe von der Küstenwache angehalten und um Ladung oder Geld erleichtert wurden.

Auch beim Entführen von Schiffen werden häufig zentrale Positionen von Mitglieder der Besatzung übernommen.

Wie kann man sich gegen Piraten wehren?

Das klassische Verhalten im Falle einer Enterung sieht so aus: Es werden alle Türen, Fenster und Luken verschlossen, verriegelt und wenn nötig auch verschweißt.

Etwas offensiver ist das Zerschlagen von Glasflaschen an Deck. Dies zielt darauf ab, dass die Piraten oft barfuß unterwegs sind.

Auf großen Schiffen kommen Elektrozäune an den Bordwänden, sowie Schallkanonen zum Einsatz.